Bevor heute Nacht die 4. Folge der 8. Staffel von Game of Thrones ausgestrahlt wird, möchte ich in diesen Artikel noch mal die lang erwartete „längste Schlacht aller Zeiten“, die wir in der 3. Folge zu sehen bekamen, mit meinen Worten und Gedanken zusammenfassen.

Dass die Erwartungen hoch waren, ist wohl eine Untertreibung und die allumfassende Folge wurde 55 Nächte lang gedreht.

Die Lange Nacht war gekommen und der Nachtkönig stand nun vor den Toren von Winterfell und der Moment ist gekommen, auf den wir als Zuschauer 8 Staffeln und 8 Jahre lang hin gefiebert haben.

Die Folge war ein wahres Spektakel.

Ein Kampf wie dieser wird in der Unterhaltungsbranche nicht oft gezeigt, vor allem nicht bei so vielen verschiedenen bombastischen Aspekten. Drachen, Zombies, riesige Schlachten mit großen Armeen und feuernden Gräben, die Folge war optisch ein hochwertiges Stück Fernsehgeschichte.

Dann ist da noch das große Finale, mit einer knallharten Arya, die ihr Attentäter-Training bei den Gesichtslosen Männern einsetzt, um stillschweigend einen tödlichen Angriff auf den Nachtkönig zu starten.

Ich schaute mit offenem Mund und jubelndem Blick zum Fernseher, als alles vor meinen Augen geschah, aber als ich dann aufjubelte, blieb irgendwie ein nagendes Gefühl zurück.

Dieses nagendes Gefühl hatte bereits in der 7. Staffel, aber bisher habe ich es als falschen Alarm abgetan. Die Produzenten der Serie haben den Fokus auf das verloren, was Game of Thrones so stark macht.

Ich bin ehrlich, ich habe die Bücher von R.R. Martin bis heute nicht gelesen, also bin ich nicht die Art von Fan, die die Serie mit den Büchern vergleicht. Interessanterweise sind es vor allem Freunde, die die Bücher gelesen haben und die von GoT immer noch begeistert sind.

Ich bin in Staffel 1 in die Serie eingestiegen und von da an habe ich jede Staffel und Episode gewissenhaft verfolgt.

Es war das politische Spiel und das heimliche Verlangen nach Macht in Westeros, das meine Aufmerksamkeit von Anfang an auf sich zog. Die geheimnisvolle Welt von Game of Thrones war vollgepackt mit Adelsfamilien, lauernden Spionen und unehrenhaften Bastardsöhnen. Es war eine Fantasiewelt, in der alles möglich war, aber wegen des klaren Regelwerks hatte sie ein klares Ziel. Wer auf dem Thron sitzt, hat die Macht.

Diejenigen, die heimlich genug mit dem Feind zusammenarbeiten können, können dem König den Thron wegnehmen. Blutlinien und Familienbande waren heilig. Vor allem stellte sich immer wieder heraus: Niemand war sicher.

Doch die GoT änderte sich und die Veränderungen kamen schrittweise und diese werden beim Vergleich von der ersten Staffel mit der siebten und achten Staffel schmerzhaft deutlich.

Wir haben uns von einem langsamen, politischen und mysteriösen Familiendrama zu einer Hollywood-ähnlichen Action-Serie mit Drachen, Massenmord und Schwertklappern entwickelt. Wo R.R. Martin die Köpfe der Charaktere rollen ließ, von denen man dachte, dass sie die Serie tragen, ohne zu erröten, ließen sich die Showautoren Benioff und Weiss von den Reaktionen der Fans leiten.

Der Nachtkönig ist (bisher) eine Schöpfung, die nur in der Serie erscheint. Nach einem lyrischen Lob von Fans bekam der mysteriöse König eine größere Rolle, um nur ein paar hundert Meter hinter der Mauer mit einem einzigen Stich in ins Herz zu sterben oder besser gesagt zu zerspringen.

So viel zur mysteriösen Bedrohung durch den ebenso mysteriösen Norden.

In der Folge „Der Regen von Castamaer“ zeigte sich, dass selbst die größten Helden der Serie einen qualvollen Tod sterben können, aber fast alle der beliebtesten Charaktere in „The Long Night“ in Staffel 8 stehen problemlos immer wieder auf.

Ist das wirklich das, was R.R. im Sinn hatte, um seine epische Buchreihe abzuschließen? Es ist schwer vorstellbar.

Es ist schwierig, genau zu bestimmen, wo sich die Serie gedreht hat. War es der Tod – und die Rebellion – von Jon Snow in den Staffeln 5 und 6? Oder war es der Tod des Drachen Viserion in Staffel 7? Klar ist, dass der Verlust der Bücher als Ausgangsmaterial einer der Gründe ist, warum sich die Serie jetzt so anders anfühlt.

Ich könnte jetzt natürlich den Finger auf die Produzenten zeigen, aber wer sagt uns, dass George R.R. Martin nicht genau dasselbe für seine Bücher im Sinn hatte?

Wenn die große Enttäuschung und die anschließende Umsetzung rund um die TV-Serie bereits zu etwas Positivem geführt hat, dann ist es, dass ich mich entschieden habe, die Bücher zu lesen. Mit etwas Glück hat R.R. sein nächstes Buch gerade fertig gestellt, wenn ich mit den vorherigen Büchern fertig bin. Und wer weiß, vielleicht bekommen wir den faszinierenden Westeros zurück, der mich so sehr an diese ersten Staffel gebunden hat.

Das Festmahl „Game of Thrones“ was serviert wurde, hat für mich einen leichten biederen Nachgeschmack.